In Deutschland leiden aktuell rund 11 Millionen Menschen unter Diabetes – nach neuesten Zahlen des Robert-Koch-Instituts wurde 2024 bei insgesamt 7,2 Prozent der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren ein Diabetes mellitus diagnostiziert. Eine Folgeerscheinung dieser Stoffwechselerkrankung ist das diabetische Fußsyndrom (DFS), das eine hohe Amputationsgefahr birgt. Die Larventherapie (Biochirurgie) kann dann eine sinnvolle Behandlungsmethode sein, um eine Amputation zu verhindern. Hier eine Fallstudie von BioMonde:

Ein ansonsten gesunder 44-jähriger Mann mit Diabetes Typ II und einer peripheren Neuropathie stellte sich zu­nächst mit einer kleinen punktförmigen Wunde am Fuß vor. Er hatte sich eine Verletzung der rechten Fußsohle zugezogen, indem er in einen Nagel getreten war. Dieser Nagel war 6 bis 8 Stunden im Fuß verblieben.

Sein Hausarzt behandelte ihn anfangs mit Antibiotika. Zweimal musste er mit Cellulitis ins Krankenhaus überwiesen werden, wo er intravenös Antibiotika erhielt und einem Diabetologen vorgestellt wurde. Außerdem wurde ein Gefäßstatus erhoben – ohne Feststellung vaskulärer Komplikationen.

Einen Monat nachdem er sich mit der Fußwunde vorgestellt hatte, ließ sich der Patient von einem Podologen weiterbehandeln. Innerhalb eines weiteren Monats verschlechterte sich die punktförmige Wunde mit umgebender Cellulitis zu einem Areal mit ischämischem Gewebe – von der plantaren proximalen Phalanx, also der Unterseite des ersten knöchernen Zehenglieds, bis zum medialen Bereich des Metatarsalkopfes am Mittelfußknochen.

Im Krankenhaus fiel zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung, das Débridement mit der Larventherapie durchzuführen. Das harte nekrotische Gewebe wurde zunächst mit Hydrogel weicher gemacht. Insgesamt waren drei Applikationszyklen mit medizinischen Larven für jeweils vier Tage erforderlich, um die Wunde zu débridieren.
Das komplette Ausmaß der Gewebeschädigung offenbarte sich nach drei Wochen. Nach der Larventherapie erfuhr der Patient keine weitere Verschlechterung der Wunde, litt an keinen weiteren Wundinfektionen mehr und – was am wichtigsten war: die Amputation des Fußgliedes oder des Fußes konnte vermieden werden.

Aufgrund der Beeinträchtigung der Sehne wurde der Zeh chirurgisch be­gradigt. Die Wundbehandlung wurde in der Fußambulanz fortgeführt. Trotz einer fortschreitenden Osteomyelitis verbesserte sich die Wunde weiter bis zur vollständigen Abheilung.