Sebastian Kruschwitz
Das Débridement nekrotischer Gewebeanteile ist ein zentraler Bestandteil der modernen Wundbehandlung. Neben chirurgischen, mechanischen und enzymatischen Verfahren hat sich in den letzten Jahren das chemische Débridement mit Debrichem®, einem topischen Mittel auf Basis von hochkonzentrierter Sulfonsäure, als effektive Alternative etabliert. Der folgende Fallbericht beschreibt die erfolgreiche Anwendung bei einem wachkomatösen Patienten mit einer feuchten Nekrose am rechten Vorfuß.
Sebastian Kruschwitz, Fachbereichsleitung Wundmanagement, Wundexperte/Pflegetherapeut Wunde (ICW), ZBI, Berlin
Ein 68-jähriger, wachkomatös nach hypoxischem Hirnschaden, litt an einer ausgeprägten sezernierenden Nekrose am rechten Vorfuß mit klarer Abgrenzung zum vitalen Gewebe. Es bestand die Gefahr einer Infektion mit hohem Risiko für eine Sepsis. Darüber hinaus bestand die Gefahr einer weiteren Traumatisierung des umliegenden Gewebes.
Aufgrund des reduzierten Allgemeinzustandes und der fehlenden Kooperationsfähigkeit des Patienten war ein chirurgisches Débridement mit einem hohen Risiko verbunden.
Therapeutisches Vorgehen
1. Indikationsstellung: Nach interdisziplinärer Absprache mit dem behandelnden Hausarzt wurde ein chemisches Débridement mit Debrichem® gewählt, um eine schonende, aber effektive Entfernung des nekrotischen Gewebes zu erreichen.
2. Applikation:
- Debrichem® wurde lokal auf die nekrotischen Areale aufgetragen.
- Die Einwirkzeit betrug eine Minute, anschließend wurde die Wunde mit steriler Kochsalzlösung gespült.
- Es wurde eine Anwendung pro Woche durchgeführt.
3. Nachsorge:
- Abdeckung mit feuchten Wundauflagen zur Förderung der Granulation.
- Regelmäßige Kontrolle durch das Wundmanagement-Team.
Abb. 2: MolecuLight i:X™ Aufnahme rot fluoreszierend zeigen hier kritisch-Kolonisierte Areale Besiedlung mit einem Staphylococcus aureus, vor Anwendung des chemischen Débridements.
Abb. 3: MolecuLight i:X™ Aufnahme mit deutlich weniger fluoreszierenden Arealen in der Wundumgebung, kurz nach der Behandlung mit Debrichem®.
Ergebnisse
Das nekrotische Gewebe wurde bereits durch eine einmalige Anwendung beträchtlich reduziert. Es zeigte sich eine deutliche Abgrenzung des nekrotischen Gewebes. Nach der zweiten Anwendung konnte man eine deutliche Reduktion des nekrotischen Gewebes beobachten.
Der Heilungsverlauf war komplikationslos, Infektionszeichen traten nicht auf. Eine chirurgische Intervention konnte vermieden werden.
Diskussion
Das chemische Débridement mit Debrichem® bietet insbesondere bei Patienten mit hohem Operationsrisiko oder eingeschränkter Belastbarkeit eine wertvolle Alternative zur chirurgischen Wundsanierung.
Die Vorteile sind:
- Minimalinvasiv: keine mechanische Traumatisierung des Gewebes.
- Effizienz: schnelle Entfernung von Nekrosen mit nur einer Anwendung.
- Sicherheit: geringe systemische Belastung, da ausschließlich lokal wirksam.
Gerade bei wachkomatösen Patientinnen und Patienten, die häufig multimorbide und besonders vulnerabel sind, kann ein Débridement mit Debrichem® dazu beitragen, die Wundheilung einzuleiten und das Risiko weiterer Komplikationen zu verringern.
Fazit
Die Anwendung von Debrichem® bei einem wachkomatösen Patienten mit einer feuchten Nekrose am rechten Vorfuß erwies sich als ein erfolgreiches, sicheres und schonendes Verfahren.
Chemisches Débridement stellt in solchen Fällen eine sinnvolle Ergänzung im therapeutischen Setting dar und erweitert das Spektrum von Wundsanierungen.
Autor:
Sebastian Kruschwitz, Fachbereichsleitung Wundmanagement (Wundexperte/Pflegetherapeut Wunde ICW), Zentrum für Beatmung und Intensivpflege GmbH (ZBI), Franz-Jacob-Str. 4 D, 10369 Berlin.




