Fallbericht
Sebastian Kruschwitz
Die Strahlentherapie ist eine zentrale Methode in der Krebsbehandlung, kann jedoch strahleninduzierte Hautschäden (Radiodermatitis) verursachen. Diese reichen von milden Rötungen bis zu schweren Hautreaktionen. Im vorliegenden Fallbericht werden die pflegerischen Beobachtungen bei der topischen Behandlung von strahleninduzierten Hautirritationen mit Flamigel® RT beschrieben.
Sebastian Kruschwitz, Pflegetherapeut Wunde ICW, Fachbereichsleiter Wundmanagement ZBI, Berlin
Strahleninduzierte Hautschäden gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Radiotherapie. Während die Bestrahlung notwendig ist, um maligne Zellen gezielt zu zerstören, werden dabei auch gesunde Hautzellen in Mitleidenschaft gezogen. Dies kann zu einer Reihe akuter und chronischer Reaktionen führen, die von leichten Rötungen und Trockenheit bis hin zu Blasenbildung, Ulzerationen und Narben reichen. Die frühzeitige Erkennung und gezielte Behandlung solcher Hautreaktionen ist entscheidend, um Beschwerden zu lindern, Infektionen vorzubeugen und den Heilungsverlauf zu fördern.
Fallbericht
Der 71-jährige Patient befand sich aufgrund eines Oropharynxkarzinoms, das eine beidseitige Mund-Antrum-Verbindung (MAV) verursacht hatte, in stationärer onkologischer Behandlung und erhielt eine kurative Radiotherapie des Kopf-Hals-Bereichs. Weitere Diagnosen:
- Tracheostoma
- PEG-Anlage
- Kachexie
- Alkoholabusus (chronisch)
- Chronische Pankreasinsuffizienz.
Bereits nach kurzer Zeit zeigten sich strahleninduzierte Hautreaktionen an der bestrahlten Region, insbesondere Rötungen, Trockenheit, Spannungsgefühl und erste Anzeichen oberflächlicher Irritationen (Abb. 1). Aufgrund der bestehenden Grunderkrankungen bestand eine erhöhte Vulnerabilität der Haut und eine verzögerte Regeneration wurde erwartet.
Abb. 1: Ausgangssituation: Rötungen, Trockenheit, Spannungsgefühl und erste Anzeichen strahleninduzierter Hautreaktionen.
Abb. 2: Hautzustand nach Behandlung mit Flamigel® RT: Deutliche Abschwächung der radiogenen Dermatitis. Die Haut blieb elastisch und widerstandsfähig gegenüber der fortgesetzten Strahlentherapie.
Therapeutische Maßnahmen
Zur Hautpflege und Prävention schwerer radiogener Hautschäden wurde das Flamigel® RT Gel (Flen Health) eingesetzt:
- Applikation: 2-mal täglich auf die zu bestrahlende Hautregion
- Dauer: mindestens 5 Tage kontinuierliche Anwendung.
Bereits nach 5 Tagen der topischen Anwendung des Gels konnten folgende positive Effekte festgestellt werden (Abb. 2):
- Deutliche Reduktion der Rötung und sichtbare Beruhigung der Hautoberfläche
- Bessere Hydratation: Spannungsgefühl und Trockenheit nahmen ab
- Erhalt der Hautintegrität: keine Blasenbildung oder Ulzerationen während des Beobachtungszeitraums
- Verbesserte Verträglichkeit der Radiotherapie: Der Patient berichtete über weniger Brennen und Schmerzen im bestrahlten Areal.
Die Behandlung mit dem Gel wurde vom Patienten gut vertragen. Mögliche und teilweise beobachtete Nebenwirkungen sind:
- Leichtes Brennen oder Kribbeln unmittelbar nach dem Auftragen, jedoch selbstlimitierend – jedoch beim Patienten nicht aufgetreten
- Selten Hautreizungen oder Rötungszunahme bei empfindlicher Haut – beim Patienten nicht aufgetreten
- Potenzielle allergische Reaktionen (z. B. Kontaktdermatitis) – beim Patienten nicht aufgetreten.
Durch die Anwendung zeigten sich folgende Auswirkungen auf die bestrahlende Haut:
- Verbesserung der Hautbarriere durch feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften des Hydrogels
- Verzögerung bzw. Abschwächung radiogener Dermatitis im Vergleich zu unbehandelten Arealen
- Förderung der Regeneration durch Aufrechterhaltung eines feuchten Wundmilieus, dass die Hautzellen schützen soll.
- Schutzfunktion: die Haut blieb elastisch und besser belastbar gegenüber der fortgesetzten Strahlentherapie.
Pflegefachliche Bewertung
Die regelmäßige Applikation von Flamigel® RT erwies sich bei diesem Patienten als effektive Maßnahme zur Hautpflege während der Radiotherapie. Sie führte zu einer deutlichen Verbesserung des Hautbildes und trug dazu bei, den Therapieplan ohne Unterbrechung fortzusetzen. Gerade bei einem multimorbiden Patienten mit eingeschränkter Regenerationsfähigkeit ist der Einsatz solcher Produkte von besonderem Wert.
Abb. 1: Ausgangssituation
Autor:
Sebastian Kruschwitz, Fachbereichsleitung Wundmanagement, Wundexperte/Pflegetherapeut Wunde ICW, Zentrum für Beatmung und Intensivpflege GmbH (ZBI),
Franz-Jacob-Straße 4D, 10365 Berlin.